Leben Singles glücklicher?

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Ist es glücklicher als das eigene? Singles in Deutschland äußern sich zufrieden über Autonomie, Freundeskreis und Gesundheit

Einen wirklich guten Morgen verbringt Maxim W., 52, in der rücksichtsvollen Gesellschaft seiner selbst in der Küche seiner Münchner Altbauwohnung. Der Fachmann für Online-Marketing sagt, er könne „extrem gut“ allein sein, habe ein „reiches Innenleben“, Freunde, auch erotische Episoden. Der dräuenden Rezession sieht er gelassen entgegen, immerhin hat er seine Altersvorsorge unter Dach und Fach, keine Kinder durchzufüttern und kann, anders als Familien, die deutsche Wirtschaft sogar noch durch Konsum stützen.

In guten Momenten flachst er, angesichts der Finanzkrise doch ein erfolgreiches Lebensmodell vorweisen zu können. In den seltenen Momenten, wenn Einsamkeit sich anschleicht, hält er es mit Karl Kraus: „Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Einzelhaft anzuraten ist.“ Dann hört er Johann Sebastian Bach.

„Allein allein“ es ist vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet eine rauschhafte Einsamkeitshymne, in der leiser Trotz mitklingt, sich als Chartstürmer dieses frostigen Winters erweist.

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Das angekratzte Image der 11,2 Millionen Singles als Egomanen, die dem Staat künftige Rentenzahler verweigern und, kränker, pessimistischer, einsamer als Verheiratete, auch noch ein Risikoprofil darstellen es wandelt sich. Verkündeten Forscher jahrzehntelang, nichts sei gesünder denn die Ehe, melden neueste Studien aus den USA und Deutschland nun, dass Singles in puncto Zufriedenheit und Lebenserwartung fast gleichgezogen hätten. Vom Elend einer miesen Ehe sind sie sowieso meilenweit entfernt. Das „New York Magazine“ polemisierte im Dezember mit einer Titelgeschichte gegen den angeblichen „Einsamkeitsmythos“ (nirgendwo gedeihen soziale Kontakte wie in von Singles bevölkerten Großstädten), die renommierte französische Analytikerin Marie-France Hirigoyen rühmt in ihrem soeben erschienenen Buch „Solotanz“ die Entscheidung fürs Alleinsein als Reifeprüfung. Muss man sich den Single gar als glücklicheren Menschen vorstellen?

„Individuelles Wohlbefinden ist nicht mehr an den Status der Ehe gekoppelt wie noch vor 30 Jahren“, bilanzieren jedenfalls die amerikanischen Soziologinnen Hui Liu und Debra Umberson in ihrer Studie mit dem schönen Titel „The Times They Are a Changin´“, erschienen im „Journal of Health and Social Behaviour“. Zwar seien Verheiratete noch immer etwas seltener krank als Alleinstehende, doch die Lücke schließe sich. Je mehr Singles es gebe, erklären die Forscher, desto weniger stünden sie unter gesellschaftlichem Rechtfertigungszwang eine Menge Stress falle damit weg.

Exotenstatus? Passé. Nur noch in ländlichen Traditionshöllen wie einigen Tälern in Südtirol demütigt man Ledige über den Tod hinaus, indem man ihrem Sarg beim Begräbnis ein spezielles Blumengewinde, das sogenannte „Schlenkl“, hinterherträgt. In aufgeklärten, individualisierten Zeiten findet „weniger Stigmatisierung“ statt, meint Hans-Werner Wahl, Psychologieprofessor an der Universität Heidelberg, der mit zwei Kollegen gerade die aktuellste deutsche Studie über Partnerlose vorgelegt hat. Die Arbeit bestätigt in vielem Single-Forscher Stefan Hradil, Soziologieprofessor an der Johannes Gutenberg-Universität zu Mainz, der vor 13 Jahren in einem Standardwerk den klassischen deutschen Single seziert hat (eher überdurchschnittlich gebildet, zahlreich im mittleren Alter, von sechs bis sieben Freunden umgeben, ausgehfreudig). Mit den jungen Singles (49 Prozent der unter 30-Jährigen!) hat das Heidelberger Team weniger am Hut: Diese Lebensphase sei „traditionell transitorisch“. Soll heißen: Die Meisten experimentieren in der Jugend und kommen dann doch noch unter. Erst wenn sich das Zeitfenster schließt, mit Mitte 30, wird es interessant. Dann richtet sich der Ungebundene in seiner Lebensform ein.

Erstmals werteten Wahl, Psychologin Marina Schmitt und Soziologe Stephan Baas Statistiken zur „Lebenszufriedenheit“ von Singles in den Bereichen Arbeit, Freizeit, Wohnen, Freunde aus. Fazit: Partnerlose weisen „nicht generell“ schlechtere Daten auf, sie äußern sich „meist zufrieden über ihre Autonomie“ und über ihr soziales Netzwerk (rund sechs nahestehende Personen, bei Verheirateten: rund sieben). Auf die zwei sehr engen Bezugspersonen, mit denen Eheleute laut Studie „persönlich Wichtiges besprechen“ können, kommen Solisten locker. (Verwitwete nennen sogar 2,5 Personen.)

Wahlverwandtschaften statt Familie? Ariane, 30, Zeitschriften-Volontärin aus München, trifft sich so oft mit ihren Freundinnen bei Sport, Kino, Drinks, dass sie für einen neuen Partner „echt wenig Zeit“ hätte. Die Berlinerin Miriam, 42, geschieden, verbringt Ferien und Feiertage mit Freunden, einmal im Monat ein ländliches Reitwochenende mit ihren Freundinnen. Ja, früher träumte sie einmal von einem Kind, heute hat sie ein Pferd. „Immer nur Defizitwahrnehmung“, das hat doch keinen Sinn. Auch die partnerlose Prominenz gibt sich gelassen. Die Männer gehen, die Freundinnen bleiben, resümierte Hollywood-Star Meg Ryan, 47, sinngemäß in einem kürzlich erschienenen Interview und berichtete von sechs engen Vertrauten. Udo Jürgens, 74, seit zwei Jahren Single, fühlt sich dank „wunderbarer Familie“ und „toller Freunde“ ebenfalls nicht einsam, aber nach zwei Ehen und einem halben Jahrhundert Affären-Wirbel steigt man aus dem Beziehungskarussell vielleicht auch entspannter aus.

Liebe und Sex: Hier jedoch lauert die Leere, die gesellschaftliche Akzeptanz und soziale Netzwerke im Single-Dasein eben nur bedingt füllen. Wildes Leben? Von wegen. Mag die US-Serie „Californication“ ihren ungebundenen Casanova David Duchovny auch in ein orgiastisches Schlaraffenland schicken, in Deutschland schleppen sich unzählige Singles durch eine erotische Wüste Gobi.

Der Online-Vermittler ElitePartner hat herausgefunden, dass 90 Prozent der Alleinstehenden Zärtlichkeit und Sex vermissen (und es scheint kein Trost zu sein, wenn es vom Lager langjähriger Eheleute herüberschallt, ihnen ginge es kaum besser). Nicht einmal eine Eroberung pro Jahr kann der Durchschnitts-Single pro Jahr statistisch vorweisen. Der Mythos vom freien Sex gilt höchstens für Singles im Studentenalter: Bei 60-jährigen Ehefrauen spielt sich diesbezüglich laut einer Studie mehr ab als bei 30-jährigen unverheirateten Männern.

Warum Männer keine Frauen und Frauen keine Männer mehr finden, obwohl doch 80 Prozent der Partnerlosen so gern möchten (und 50 Prozent sogar aktiv suchen), haben Forscher längst zu erklären versucht: Im Single-Land der Moderne treffen eher hochqualifizierte, anspruchsvolle Frauen auf sozial schwächere Junggesellen. Anziehungskraft: gering. Weitere Probleme: unklare Rollenverteilungen, ans Unerreichbare grenzende wechselseitige Vorstellungen und, nicht zuletzt, die angebliche Verunsicherung der Männer, die sich von zielstrebigen Damen eher erschrecken denn erregen lassen. Von erotischer Forschheit scheint man Frauen dringend abraten zu müssen: In der Partnerwahl ist die Emanzipation noch nicht angekommen. „Weibliches Begehren tötet männliches Begehren“, zitiert Schriftstellerin Iris Hanika ihre Kollegin Elfriede Jelinek, „vom Leben kluggeprügelte Frauen wissen das.“ Hanika, deren Roman „Treffen sich zwei“ es in die Endauswahl des Deutschen Buchpreises 2008 schaffte, beschreibt in ihren Texten anschaulich die Nöte ausgehungerter Großstadt-Singles, die nicht wissen, wohin mit ihrer Sehnsucht: „Es muss ein Mensch auf einen Menschen treffen, damit etwas in Gang kommt ... Wenn ein Mensch auf keinen anderen trifft und sich nichts entzündet, dann geschieht nichts, kommt nichts in Gang. Es geht dann bloß alles immer so weiter ... in Wahrheit ist das der absolute Stillstand.“

Solche Worte sind Wasser auf die Mühlen von Hans-Peter Blossfeld, Familienforscher an der Uni Bamberg. Die „neue Zufriedenheit“ von Singles hält er, aktuellen Zahlen zum Trotz, eher für „Rationalisierung“, wenn nicht, gelinde gesagt, für Quatsch. Sicher, der normative Druck falle weg, „diese Ächtungsgeschichte“, aber nur weil es sozial anerkannt sei, werde Alleinsein auch nicht attraktiver. „Die besten Freunde ersetzen nicht die Intimität einer Beziehung“, so Blossfeld, alles andere sei Pfeifen im Walde. Weshalb denn sonst Single-Plattformen, Ü-30-Partys und Speed-Dates boomten wie verrückt? Nein, so der Familienforscher, „die angestrebte Lebensform bleibt die Partnerschaft“.

Aber wenn sie nun nicht klappt? Wenn eingefahrene Egoismen, genossene Autonomie und Narzissmus einer individualisierten Gesellschaft immer wahrscheinlicher machen, dass zwischen Beziehungsphasen jahrelange Phasen des Alleinseins liegen werden? Die französische Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen rät, das Alleinsein nicht als Versagen, sondern als Etappe im Prozess charakterlicher Festigung zu sehen. Hat nicht auch Schopenhauer gesagt, all unser Übel rühre nur daher, dass wir nicht allein sein könnten? Vielleicht, so Hirigoyen, sei es insgesamt hilfreich, sich des Zwanges zum Glücklichsein zu widersetzen, den unsere Zeit mit ihrem grausamen Machbarkeitswahn uns aufstülpe, auch in der Liebe.
Lebenserfahrene Pragmatiker wie der Autor Helge Timmerberg, 56, ( siehe Interview ), die sowohl Eheleben als auch flirrende Freiheit zur Genüge erkundet haben, tendieren inzwischen zum Modell des „Teilzeitsingles“ einer Lebensform, die sich unter nicht mehr ganz Jungen ohne Kinderwunsch auffällig großer Beliebtheit erfreut. Zwei Wohnungen, keine schmutzigen Socken, aber eine Garantie auf gemeinsame Wochenenden und Verpflegung im Krankheitsfall. Eine der vielen Spielarten im rätselhaften Miteinander von Mann und Frau. Am zufriedensten mit ihrem Leben, dies sei erwähnt, äußerten sich in der anfangs genannten Single-Studie des Heidelberger Teams übrigens die verwitweten Frauen. Ab 70 herrschen offenbar klare Verhältnisse.

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